Das Paradox der Veränderung

Wer etwas verändern will, hat oft so lange damit gewartet, dass der Zeitpunkt dieser Entscheidung im Verhältnis zur Problematik so spät ist, dass das Bedürfnis, SOFORT ein Ergebnis zu erhalten, die angestrebte Veränderung am Besten schon gestern zu spüren, sehr groß ist.

 

Zunächst einmal ist es natürlich super, dass Du jetzt an diesem Punkt bist, etwas verändern zu wollen. Das ist gewissermaßen die Voraussetzung dafür, dass tatsächlich etwas Anderes/ etwas für Dich noch nicht Gewohntes Realität wird.

 

Es ist in diesem Zusammenhang sicher gut zu wissen, wie die gewünschte Veränderung aussehen soll, sich ein genaues Bild davon zu machen, wie Dein Leben aussehen wird, wenn Du es geschafft hast, das was derzeitig schwierig ist, überwunden zu haben.

 

Zu diesem Thema gibt es bereits zahlreiche Artikel, inspirierende Vorträge auf Youtube oder Facebook, und sie sind allesamt sicher sehr wertvoll, denn es ist wichtig, das eigene Leben so wie es ist, immer mal wieder zu hinterfragen und an den Stellen, die unzufrieden machen, nach Verbesserungsmöglichkeiten zu schauen.

 

Worüber ich in diesem Blog-Eintrag sprechen möchte, ist in gewissen Sinne das Gegenteil- aber nur auf den ersten Blick. Es geht um die Annahme dessen, was IST. Für jemanden mit dringendem Veränderungswunsch klingt das sicher erstmal äußerst unattraktiv.

 

Es ist aber wie gesagt nur an der Oberfläche das, als was es erscheint. Denn im Grunde ist die Annahme dessen, was ist, DIE Grundvoraussetzung schlechthin für so gut wie jede angestrebte Veränderung.

 

Im gestalttherapeutischen Kontext spricht man auch vom „Paradox der Veränderung“

 

Wie nun genau soll das funktionieren?

 

Wenn man etwas zu sehr will, entsteht dieser Wunsch aus einem Mangel heraus. Logisch, denn sonst würdest Du ja nichts verändern wollen, denkst Du vielleicht.

 

Energetisch bedeutet dies aber, dass Du den Mangel duplizierst; ihn sozusagen anziehst und vergrößerst, da all Deine Gedanken, all Deine Handlungen eben auf der Sichtweise des Mangels aufbauen.

 

Wenn Du denkst: „Ich bin zu dick“ und statt ganz allmählich Deine Ernährung umzustellen beginnst, Deine Muskeln langsam aufbaust

eine Crash-Diät machst und ein wahnsinniges Sportprogramm von Null auf Hundert durchziehst, mag das für den Moment sich gut anfühlen, da Du das Gefühl hast, ENDLICH etwas zu tun.

 

Das Problem dabei ist, dass dieser Effekt nicht lange anhält- was viele von uns sicher schon bitter erfahren mussten.

 

Es geht letztlich darum, LIEBEVOLL mit Dir umzugehen.

 

Zu verstehen, weshalb Du bisher Deinem Wunsch nicht nachkommen konntest, wozu es GUT war, eine Zeitlang an diesem Ort verweilt zu haben, den Du jetzt verlassen möchtest, da er Dir so nicht mehr dienlich ist.

 

Wenn Du wirklich verstanden hast, weshalb Du es bisher vorgezogen hast, dort zu sein, wo Du jetzt gerade bist, hast Du die Möglichkeit, Alternativen zu finden, mit denen Du das dahinterstehende Bedürfnis, das Dich bisher dort gehalten hat, stillen kannst.

 

Es geht um das Bewusstsein darüber, wo Du innerlich gerade tatsächlich stehst. Ist Dein Wunsch nach Veränderung aus Verzweiflung gespeist und damit aus der Mißachtung der dahinterstehenden Bedürfnisse? Oder fühlst Du Dich innerlich stabil, kannst all Deine Kräfte tatsächlich darauf fokussieren, Dinge anders zu machen- mit einer entspannten Grundhaltung ohne Dich dafür zu verurteilen, dass Du es bisher nicht geschafft hast?

 

Wenn Letzteres der Fall ist- wunderbar!

 

Wenn Du Dich aber wie getrieben fühlst, unter dem „Zwang“ stehst, unbedingt etwas anders machen zu müssen, hast Du höchstwahrscheinlich nicht die Energie zur Verfügung, die Du dazu brauchst. Und zwar deshalb, weil Du damit im Grunde genommen GEGEN Dich selbst arbeitest, und Dir damit genau die Kraft nimmst, die Du für Deine angestrebte Veränderung bräuchtest. Das Grundgefühl beruht dabei auf dem Gedanken „ich bin falsch, so wie ich bin“.

 

Wenn Du sagen kannst: „Ich bin genau richtig, so wie ich bin, und mit dieser inneren Überzeugung bin ich bereit, neue Dinge auszuprobieren und mich zu entwickeln“, wenn Du Dich also liebevoll annimmst, Dir selbst Verständnis entgegenbringst, wächst auch wieder deine Energie an, mit der Du letztlich genau das erreichen kannst, was Du erreichen möchtest.

 

Auch sich erstmal daran zu erinnern, was man bisher in seinem Leben tatsächlich schon geschafft hat, kann hilfreich und sehr motivierend wirken.

 

Lerne Dich selbst wie eine/N Freund/in zu behandeln wie jemanden den Du gerne unterstützen möchtest. Würdest Du einer Freundin dazu raten, eine Crash-Diät zu machen? Oder würdest Du Ihr erstmal sagen, worin ihre Vorzüge bestehen und sie dann darin unterstützen, diese im angemessenen Tempo und mit dem erforderlichen Selbstrespekt zu erweitern?

 

Selbst der berühmte „Tritt in den Arsch“ der manchmal wertvoll sein kann hilft nur dann, wenn jemand sich nicht getreten, sondern sich inspiriert und dadurch motiviert fühlt.

 

Verurteile Dich nicht dafür, wo Du gerade stehst, denn es gibt sicher gute Gründe dafür. Nutze die Kraft Deiner Selbstliebe und schaffe damit die Grundvoraussetzung für tatsächlich tiefgreifende Veränderungen.

 

Nachhaltige und tiefgreifende Entwicklung passiert nicht von jetzt auf heute. Lass den Motor Deiner Veränderung nicht Selbsthass sein, sondern verändere Dich auf Grundlage Deiner Liebe zu Dir selbst.